Berufsorientierung an Schulen

 

Früher war alles besser? Na fast...

Noch vor einigen Jahren hatte die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern keinen nennenswerten Stellenwert im deutschen Schulsystem. Es wurden zwar vereinzelt Maßnahmen der Berufsorientierung an deutschen Schulen ergriffen, jedoch existierte kein umfassendes Konzept für die Berufsorientierung.

Schülerinnen und Schüler wurden grundlegend über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten informiert. Das Angebot an Berufsorientierung war aber deutlich geringer als heutzutage. Sicher hast du schon einmal davon gehört, dass der deutsche Ausbildungsmarkt momentan mit einem Überangebot auftrumpfen kann. Das heißt, es gibt jedes Jahr auf´s Neue Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden können. Gleichzeitig wurde die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren immer stärker von einem Fachkräftemangel heimgesucht. Noch dazu werden immer noch viel zu viele Ausbildungen frühzeitig abgebrochen oder Studienplätze wieder aufgegeben, bevor das Studium abgeschlossen ist.

Wind of Change

All diese Phänomene beobachteten Politikerinnen und Politiker sowie Unternehmerinnen und Unternehmer natürlich genauso wie Bildungsträger und besorgte Eltern. Alle waren sich einig: Es muss in Bezug auf die Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern etwas passieren. Junge Menschen müssen auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft begleitet und im Vorfeld umfassend über alle Facetten des Ausbildungs- und Studienlebens informiert und beraten werden.

In einem langen Prozess wurden Maßnahmen der Berufsorientierung entwickelt und Stück für Stück in den einzelnen Bundesländern eingeführt. Wie du vielleicht weißt, trifft jedes Bundesland seine eigenen Entscheidungen in Bezug auf die (Aus-)Bildung seiner Kinder und Jugendlichen. Das nennt man Bildungsföderalismus. Die Entscheidungsbefugnis beim Thema Bildung liegt bei den Ländern. Das führt zum Beispiel dazu, dass du in manchen Bundesländern 6 Jahre die Grundschule besuchst, bevor du auf die weiterführende Schule gehst und in anderen nur 4 Jahre.

Aber zurück zur Berufsorientierung: Es wurden nun also in den vergangenen fünfzehn Jahren unzählige Versuche unternommen, die Berufsorientierung an den deutschen Schulen auszubauen bzw. überhaupt erst mal ein Konzept der Berufsorientierung auszuarbeiten. Neben einem massiven Ausbau der Angebote zur Berufsorientierung auf Landesebene unterstützte die Bundesagentur für Arbeit diese Entwicklung auf Bundesebene stark. Über viele Jahre wurden Maßnahmen der Berufsorientierung entwickelt, reformiert, wieder gestrichen, angepasst, neu aufgestellt und immer so weiter. Mittlerweile glänzt jedes Bundesland jedoch mit einem umfassenden Angebot berufsorientierender Maßnahmen. Angepasst an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler werden Pflichtangebote mit Wahlmöglichkeiten kombiniert, sodass alle bestmöglich auf das Berufsleben vorbereitet werden.

 

Alle reden von Berufsorientierung - Was ist das eigentlich?

Was kann Berufsorientierung denn eigentlich alles sein? Neben den schon bestehenden Informationsveranstaltungen zu Fragen der Ausbildung und des Studiums wurde ein ergänzendes Angebot geschaffen, das auf die konkrete Beratung der Jugendlichen zielt. Vor allem die Bundesagentur für Arbeit kümmert sich um das Angebot der Berufsberatung, schickt Beraterinnen und Berater in die Schulen und koordiniert den gesamten Prozess.

Außerdem ist eine Verschiebung in Richtung Praxiserfahrungen zu erkennen. Eingeführte Pflichtpraktika oder gar solche Schulkonzepte, die über das gesamte Schuljahr den Fachunterricht mit dem sogenannten Praxislernen kombinieren – das Angebot an praxisorientierter Berufsorientierung scheint schier grenzenlos zu sein. Du hast doch sicher auch schon Erfahrungen in einem Unternehmen gesammelt… Oder kommt das erst noch auf dich zu?

Die ganze Bandbreite an Maßnahmen der Berufsorientierung in Deutschland aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Das Angebot reicht von praxisorientierten Zukunftstagen, wie dem Girls´ Day oder Boys´ Day, über verpflichtende Betriebspraktika, den Berufswahlpass oder das Modell der Schülerfirmen bis hin zu Bewerbungstrainings, Betriebserkundungen, Messebesuche oder Informationstage an Universitäten oder in Unternehmen. Auch das ist nur eine Auswahl an Formaten, innerhalb derer die Berufsorientierung sich bewegen kann.

Aber wie kann man den Begriff Berufsorientierung eingrenzen? Was beschreibt die Vielzahl pädagogischer Einzelkonzepte so, dass es greifbar wird? Generell lässt sich wohl sagen, dass die Berufsorientierung dazu dient, junge Menschen ein Stück auf ihrem Weg in ein Leben der wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu begleiten und sie dazu zu befähigen, eine Entscheidung in Bezug auf ihre Berufswahl zu treffen. Um diesem Ziel so nah wie möglich zu kommen, ist es wichtig, dass Schule, Hochschule, Wirtschaft und andere gesellschaftliche Partner gut zusammenarbeiten. Und es sieht so aus, als würde diese Zusammenarbeit bisher ziemlich gut funktionieren. Oder wie siehst du das? Schreib uns gern, wenn du deine Erfahrungen mit dem Angebot der Berufsorientierung in deinem Bundesland mit uns teilen möchtest.